Review: LIXX – 20 Jahre Letzte Instanz – Das Jubiläumskonzert

 

Ein ganz persönlicher Blick auf 20 Jahre LETZTE INSTANZ und mein Wirken hinter der Kamera

 

Es geht los

So ganz begreifen kann ich dieses emotionale Wochenende noch immer nicht.

Samstagmorgen mache ich mich nun also von Berlin aus auf den Weg nach Dresden. Dort werde ich nämlich am Vormittag bereits erwartet, um diesen Tag ein wenig in Bildern festzuhalten.

„Aus den Augen – aus dem Sinn!“ heißt es so schön und tatsächlich hat sich die LETZTE INSTANZ in den vergangenen Monaten aus meinen Ohren ferngehalten. Andere Projekte, andere Musik warteten auf mich und forderten meine Aufmerksamkeit.

Aus dem Blick verloren habe ich meine Lieblingsbrachialromantiker jedoch nicht. Je näher der große Tag rückte, desto mehr beschäftigte ich mich mit meiner Zeit bei der Band. Ich habe Musiker gehen und kommen sehen, viele Menschen – nicht zuletzt meinen Göttergatten – durch die LETZTE INSTANZ kennengelernt, unzählige Konzerte gesehen, Unmengen an Kilometern gefahren und jede Menge Urlaubstage beantragt. Etwas, das ich in dieser Intensität für keine andere Band bisher geleistet habe.

 

Erinnerungen

Fast 20 Jahre begleite ich die Band nun.; anfangs „nur“ als Fan. Als Schülerin war es oft eine Herausforderung zu den Konzerten zu gelangen. Betteln bei Papa, dass er einen zumindest hinfährt, stundenlanges Nächtigen auf Bahnhöfen, nächtliche Heimwanderungen durch den Regen …

Jeden Monat spielte die Band mindestens einmal in greifbarer Nähe und tat sie es nicht, litt ich an Entzugserscheinungen. Was die Jungs mir  während eines Konzertes zu geben vermochten, ist sicherlich nicht für jeden nachvollziehbar. Aber für mich war es irgendwie alles. Ich konnte mich auspowern beim Tanzen, für zwei Stunden den Alltag hinter mir lassen, meine Akkus aufladen und jede Menge Glückshormone ausstreuen. Es war einfach perfekt, auch wenn die Band immer wieder dem Wandel unterlag.

Ich habe sie liebevoll meine Patchworkband genannt, denn tatsächlich gab es lange Zeit kein Album, das die gleiche Bandbesetzung eingespielt hatte… Diese Wechsel hatten natürlich auch große musikalische Einflüsse auf die Band und nach wie vor ist es so, dass ich mir jedes neue Album erst warm hören und mich damit anfreunden muss. Das ist bei keiner anderen Band so. Da gefällt mir die Musik, oder eben nicht. Bei der Instanz wechselt dies oft. Favoriten der ersten Tage weichen jenen Songs, die sich nur langsam in den Vordergrund trauen. Eine Zeile, die meine Aufmerksamkeit erhaschte und mehr von sich Preis geben wollte.

 

Verbundenheit

Heute bin ich mit der Band noch immer verbunden. Nicht mehr nur musikalisch, sondern auch fotografisch. Meine Konzertfotografie startete nämlich vor ihren Bühnen. Die Band war eine der ersten, bei denen ich problemlos eine Akkreditierung erhielt, als ich die Gelegenheit bekommen hatte, auf eine Spiegelreflexkamera umzusteigen. An den Jungs habe ich geübt, mich ausprobiert und viel gelernt. Ich bin mit meinen Aufgaben, meinen Ansprüchen an gute Eventfotografie mit den Jahren gewachsen. Aus privaten Erinnerungen wurden öffentliche Kunstwerke. Die Knipserei wich der Bildwirkung und die analoge Entwicklung beim Fotofachgeschäft wurde durch stundenlanges Sitzen in meiner Pixelstube verdrängt.

 

Der Soundcheck

Und jetzt stehe ich hier, während der Soundcheck läuft und realisiere, was da gerade passiert. Als der Geigenschüler angespielt wird, rollen mir das erste Mal die Tränen. Erinnerungen steigen auf… Wie oft hatte ich bei Muttis Stolz gebettelt, er möge den Geigenschüler wieder spielen und wie euphorisch war jener Moment, als ich zum ersten Mal erlebte, wie er ihn fehlerfrei zum Besten gab …

20 Jahre. Ein Datencrash vor 11 Jahren raubte viele Erinnerungen an ganz früher. Aber dennoch wühlte ich mich durch zig tausende Fotos, sah dabei längst vergessene Momente, lächelnde Gesichter auf der Bühne und im Publikum; das Tourleben von seiner schönsten Seite.

Doch damit nicht genug, denn die Anfänge gab es noch – ganz klassisch auf Papier. Wieder wühlte ich mich durch Berge von Fotos, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Ich ließ alle anderen Fans an einigen dieser Momente teilhaben und veröffentlichte sie.

Noch immer stehe ich vor der Bühne und lausche dem Soundcheck zum großen Jubiläumskonzert und habe wieder Tränen in den Augen.

Ich genieße den Moment, atme tief durch und konzentriere mich auf das, weshalb ich schon angereist war: Das Fotografieren der Geschehnisse an diesem Tag.

 

Solch ein Geburtstag geht aber natürlich auch mit dem Wiedersehen vieler bekannter Gesichter einher und so bleibt auch genug Zeit für Gespräche und jede Menge Umarmungen. Dank des Verkaufs von VIP-Tickets ist ein Teil des harten Kerns bereits schon ab Mittags in den Räumen des Alten Schlachthofs. 18 Uhr heißt es dann „doors“ für alle und das Knuddeln und Quatschen geht weiter.

 

Das Konzert

Der Abend wird von den ORIGINAL ROYAL SULGEMER CROWN SWAMP PIPERS eröffnet. Sie marschieren einmal quer durch Foyer und Saal und hinterlassen eine begeisterte Menschenmasse. Direkt im Anschluss begrüsst Benni pünktlich um 19 Uhr die erste Band und kurz darauf stehen ZERAPHINE auf der Bühne und ich mit vielen anderen Fotografen davor im Graben. Als Sven ankündigt, dass sie nun ihre aktuelle Single spielen würden und im Nebensatz durchklingen lässt, dass diese nun auch schon acht Jahre alt sei, hat er die Lacher auf seiner Seite. Während des gesamten Konzertes herrscht ausgelassene Stimmung im Publikum.

Erneut gibt es ein kleines Konzert im Foyer von den ORIGINAL ROYAL SULGEMER CROWN SWAMP PIPERS während der Umbaupause.

Schwibs, besser bekannt als Muttis Stolz, kündigt dann die zweite Band des Abends an: LORD OF THE LOST, deren tiefe Freundschaft in Dresden sogar begann. Die LOTLs hatte ich bereits vor einer Woche vor der Linse, als sie mit ihrer aktuellen Thornstar Tour in Berlin gastierten. Trotz weniger Spielzeit und einer schwer zu übersehenden Fingerverletzung gibt die Band alles, um das Publikum in Feierlaune zu versetzen.

Dann ist es endlich so weit! Voller Spannung wird dieser Moment erwartet, den die Band mit einem eigens für diesen Abend zusammengeschnittenen Intro startet und die Fans noch einmal in 20 Jahre LETZTE INSTANZ entführt.

Die Spannung steigt immer weiter bis dann endlich der erste Ton erklingt. Von jetzt an gibt es kein Halten mehr. Zweieinhalb Stunden lang geben die Jungs auf der Bühne alles. Geschätzte 1800 Menschen feiern die LETZTE INSTANZ. Immer wieder holen sie sich Gastmusiker auf die Bühne, so dass es nie langweilig wird:

 

Mein Schaffensfeld

Ich hatte mir im Vorfeld viel Zeit genommen, um mir Gedanken zu machen, wann ich wo sein möchte, um möglichst viele Perspektiven abzudecken und auch den Wünschen aus der Bandbesprechung nachkommen zu können. Denn eins war mir von Anfang an klar: Eine zweite Chance für einen verpassten Moment würde ich nicht bekommen …

Immer wieder renne ich vom FOH zur Bühne, oder umgekehrt. Obwohl ich total in meinem Workflow stecke, lasse ich es mir jedoch nicht nehmen, hier und da auch einmal ein wenig zu feiern. Nur zu “Komm!” ist mir ein Mittanzen vergönnt, denn das Drehen um die eigene Achse auf meinem kleinen erhöhten Plätzchen ist unmöglich; zumindest, wenn frau einigermaßen im Takt bleiben will ;-). Dabei hat es gerade dieser Song während der Morgenland-Tour im Frühjahr geschafft, mein Herz zu erobern – zumindest LIVE …

 

Wie auch immer, die LETZTE INSTANZ ist für mich der eindeutige Beweis, dass Arbeit und Vergnügen durchaus auch im gleichen Moment stattfinden können ;-).

Kurz vor Mitternacht ist das Konzert dann vorbei, aber noch längst nicht der Abend …

 

Nachdem die Jungs kurz Luft geholt haben, gehts zur allseits bekannten Autogramm- und Selfiejagd. Viele Menschen sind zu dem Zeitpunkt im Foyer und machen ein Bewegen fast unmöglich. Da sich das Fotografieren für mich hier nun in Grenzen hält, komme auch ich wieder etwas zur Ruhe und schließe mich einigen Gesprächen an.

Die Nacht wird dann bei Freunden verbracht, auch wenn diese nicht viel Schlaf für mich bereithielt.

 

Das Fanclubtreffen

Am nächsten Morgen geht es dann direkt zum Brunch ins Feldschlösschen STAMMHAUS. Das Fanclubtreffen steht auf dem Programm! In gemütlicher Runde kann ordentlich Kaffee konsumiert und sich der Bauch mit allerlei Leckereien vollgeschlagen werden. Natürlich ist auch die Band anwesend, der vom Fanclub ein kleines Präsent überreicht wird.

Neben einer Verlosung mit allerhand coolen Preisen gibt es auch eine Versteigerung des Tourbanners der Morgenlandtour für UNICEF. Das bringt 366 € und auch die Instanz legt für den guten Zweck direkt noch einmal etwas oben drauf und rundet auf 500€ auf. Am Nachmittag trete ich dann die Heimreise an, da am Abend in Berlin direkt die nächste Veranstaltung auf mich wartet: Ich habe ein Date mit dem Tod!

So muss die Whiskeyverkostung am Abend ohne mich stattfinden. Aber mal ehrlich, kann sich irgendjemand vorstellen, dass ich … ?! Nein? Ich auch nicht, dann doch lieber eine Nahtoderfahrung …

 

Die Nacharbeit

Damit endet dieses Wochenende aber noch nicht für mich. Denn jetzt heißt es: Fotos sichten, bearbeiten und öffentlich machen. Das klingt doch eigentlich gar nicht so sehr nach viel Arbeit? Doch schnell holt mich die Realität ein: Allein mit dem Sichten werde ich – je nach Konzentration – geschätzt wenigstens zwei Abende beschäftigt sein.

Die Fülle an unterschiedlichen Momenten und der vielen Gastmusiker macht es zu dem auch noch unmöglich, die Anzahl auf wenige Fotos herunterzuschrauben, wie man am Endergebnis sieht.

Und dann ist da noch dieser geschriebene Einblick des Jubiläumwochenendes aus Sicht der Fotografin… Ich bin kein Schreiberling … Folgerichtig hat auch das Zusammenstellen meiner Gedanken einiges an Zeit in Anspruch genommen … Im Kopf ist das alles eindeutig einfacher und vor allem ergibt es dort Sinn 😉

Aber zum Glück hat frau ein paar Tage Urlaub, um sich voll und ganz in einem Wochenende zu verlieren, das ihr noch lange im Gedächtnis bleiben wird …

 

WIR SIND EINS !

 

Die gesamten Fotogalerien zu diesem Wochenende findet ihr hier.